
Heute Abend sitze ich wieder mit Bewerberinnen zusammen, diesmal mit zwei. Die Vorgespräche waren interessanter, als ich erwartet hatte, und sie haben mich an früher erinnert.
Als ich die Erstgespräche noch selbst vereinbart habe, kamen nie weniger als zwei Damen. Am liebsten waren mir drei oder vier, am selben Abend, am selben Tisch. Mit Zeitersparnis hatte das nichts zu tun. Eine Dame, die allein vor mir sitzt, ist vorbereitet. Sie hat sich zurechtgelegt, was ich hören möchte, und liefert es freundlich ab. Sitzen mehrere beieinander, lösen sich die zurechtgelegten Sätze schnell auf. Dann stellt die eine der anderen eine Frage, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Dann höre ich zu, wie die eine erzählt, und sehe dabei, wie die andere zuhört.
Mich interessiert, wie jemand mit möglichen Kolleginnen umgeht. Ob sie der anderen den Vortritt lässt oder ihr ins Wort fällt. Ob sie neugierig ist oder nur taxiert. Kollegiales Verhalten ist für mich kein Nebenaspekt, denn bei PURE begegnen sich die Damen, vertreten einander und müssen sich aufeinander verlassen können. Das steht in keinem Fragebogen. Ein Abend am Tisch verrät mehr, als jede Antwort es könnte.
Für heute habe ich die Konstellation bewusst anders gewählt, als ich es sonst tun würde. Warum, schreibe ich morgen, wenn ich weiß, ob die Rechnung aufgegangen ist.
Fortsetzung folgt.
Discreetly yours,
Lena
