de / en
Lena's Tagebuch

Ich bin nicht der Typ für so etwas...

Der Satz steht in fast jeder ersten Anfrage. Warum ich ihn gern lese und was er über einen Mann verrät, noch bevor er ein Datum nennt.


Der Satz kommt fast jede Woche. Meistens steht er gleich im ersten Absatz einer Anfrage, noch bevor ein Datum genannt wird: „Ich bin eigentlich nicht der Typ für so etwas, aber …“

Ich lese ihn jedes Mal gern. Er verrät mir mehr über einen Mann als sein Beruf oder seine Adresse. Wer sich entschuldigt, bevor er fragt, hat Manieren. Und wer Manieren hat, muss mir nicht erklären, warum er schreibt.

Die anderen erkenne ich ebenso schnell. Wer mit „Na, was kostet der Spaß?“ einsteigt, ist ohnehin nicht der Typ, den ich meine. Das klingt hart, ist aber nur sortiert. Eine Entschuldigung ist die beste Visitenkarte, die ein Gentleman mitschicken kann.

Spannend ist, wer sich hinter dem Satz verbirgt. Selbstständige, die seit Jahren keinen freien Abend mehr hatten. Männer, die nach langer Zeit wieder allein sind und sich fragen, wie das heute eigentlich geht. Sie alle haben vor dem Schreiben länger überlegt, als sie zugeben würden.

Den Satz sagen übrigens auch Damen. Wenn sie zum ersten Mal bei mir sitzen, im persönlichen Gespräch, ohne Partner und ohne Eile, fällt er früher oder später: Eigentlich bin ich nicht der Typ für so etwas. Ich lächle dann und bestelle Kaffee. Erstaunlich oft sind es genau diese Frauen, die später die größte Ruhe ausstrahlen.

Was ich daraus gelernt habe: Den Typ dafür gibt es nicht. Es gibt Männer, die wissen, was sie wollen, und solche, die es noch herausfinden. Mit beiden komme ich gut zurecht. Mehr Sorgen macht mir der Mann, der ganz sicher ist, genau der Typ zu sein. Der hat meist eine fertige Vorstellung im Kopf, und die passt selten zu einem Abend, der gelingen soll.

Mehr als einen Plan braucht es für den Anfang nicht: Datum, Uhrzeit, Telefonnummer und der genaue Ort. 
Alles Weitere besprechen wir, wie es sich gehört, in Ruhe.

Discreetly yours, 
Lena