
Heute lag ein Paket auf dem Tisch, und ich habe es geöffnet wie früher die Post zu Weihnachten: viel zu langsam. Darin: unsere Visitenkarten.
Schweres, schwarzes Papier. Kein Firmenname, kein Slogan in Großbuchstaben, kein Foto. Auf der Vorderseite nur eine Feder, in Hochglanz auf mattes Schwarz gesetzt. Man sieht sie erst, wenn das Licht ihr einen Winkel gibt. Genau so wollte ich es.
Auf der Rückseite steht, was stehen muss: mein Vorname, die Adresse unserer Website, eine Nummer. Mehr nicht.
Eine Karte ist ein seltsames Ding in einer Zeit, in der alles über Displays läuft. Und doch ist sie der Moment, in dem man etwas in der Hand hält, das jemand sorgfältig für einen ausgesucht hat. Bei uns hat sie eine zweite Aufgabe: Sie darf in einer Jackentasche liegen oder zwischen anderen Karten im Portemonnaie, ohne dass jemand darin eine Werbung erkennt. Wer sie nicht kennt, sieht ein schwarzes Kärtchen mit einem Schatten darauf. Wer sie kennt, weiß Bescheid.
Das ist für mich Diskretion in ihrer kleinsten Form. Kein Versprechen auf einer Webseite, sondern etwas, das man anfassen kann und das nichts erzählt, was es nicht erzählen soll.
Ich habe eine Weile mit dem Stapel in der Hand dagesessen, ein Glas Sekt neben mir, und mir vorgestellt, wie viele stille Wege diese Karten gehen werden. Ich werde die meisten nie erfahren. Auch das gehört zu Diskretion.
Discreetly yours, Lena
