
Hollywood & Escort
Das Wort Escort kommt vom englischen „to escort“ und heißt ursprünglich schlicht: jemanden begleiten. Eine Dame an der Seite eines Gentleman, beim Dinner oder in der Hotelbar. So steht es im Wörterbuch.
Hollywood hat daraus ein Märchen gemacht. Die elegante Frau im Abendkleid, die dafür bezahlt wird, einfach da zu sein, am Arm, im richtigen Licht. Pretty Woman lässt grüßen. Und ein Stück davon stimmt sogar. Der größte Teil eines Abends besteht aus Anwesenheit: Zeit und Aufmerksamkeit, dazu ein Gespräch, das nicht nach der Uhr klingt. Das erzählen mir die Damen immer wieder, und das hören Gentlemen am Telefon oft zum ersten Mal.
Nur schneidet Hollywood genau an der interessanten Stelle ab. Die Kamera schwenkt zum Fenster, der Abspann läuft. Im echten Leben wissen beide Seiten, dass zwischen zwei Erwachsenen an einem Abend mehr entstehen kann als Smalltalk. Auch Nähe und Berührung. Und manchmal Sehnsüchte, über die man sonst ungern spricht. Ich schreibe das so offen, weil ich Mythen nicht mag, die so tun, als wäre da nichts.
Entscheidend ist, wie es entsteht: im gegenseitigen Einverständnis, aus Lust und aus Vertrauen, nie aus Zwang. In der Praxis ist das fast immer unspektakulär, weil sich Gentlemen benehmen und beide Seiten wissen, worauf sie sich freuen dürfen. Eine Dame sagt nur dann Nein, wenn die Grundlage für einen schönen Abend fehlt. Das sind Kleinigkeiten, die jeder nachvollziehen kann: Der Treffpunkt wird auf einmal geändert. Absprachen, die vorher klar waren, gelten plötzlich nicht mehr. Jemand hat sich nicht die geringste Mühe gegeben, gepflegt und frisch zu erscheinen. Oder er ist so grob und fordernd, dass es mit Charme nichts mehr zu tun hat. Das ist keine Laune, das ist Respekt in beide Richtungen. Wie ich selbst darüber denke, habe ich schon einmal erzählt.
Das Honorar gilt der Zeit und der Gesellschaft einer Frau, die sich diesen Abend für dich nimmt. Genau deshalb ist ein Date auch keine Bestellung, bei der am Ende geliefert wird, was auf dem Zettel stand. Den Unterschied habe ich hier beschrieben.
Im Film gibt es ein Happy End. Bei uns gibt es klare Absprachen vorab und eine Dame, die pünktlich vor der Tür steht. Das ist weniger Kino, dafür trägt es.
Am Telefon fragen viele zuerst: „Was ist da eigentlich alles drin?“ Eine ehrliche Frage, und meine Antwort ist immer dieselbe. Ein Abend, mit allem, was zwei Erwachsene im gegenseitigen Einverständnis daraus machen möchten.
Jetzt bin ich neugierig, was ihr gedacht habt, bevor ihr zum ersten Mal angerufen oder geschrieben habt. Nur Begleitung? Begleitung mit der Möglichkeit von Nähe? Oder habt ihr es gar nicht gewusst? Stimmt unten ab, anonym und ehrlich.
Wer sich durch die Begriffe arbeiten möchte, die am Telefon fallen, findet sie in unserem Escort Lexikon, zum Beispiel Dinnerdate, Honorar und Diskretion.
Discreetly yours,
Lena
