
Es gibt Städte, in denen man nach dem Parken sofort einen Gang langsamer wird. Baden-Baden gehört dazu. Von Karlsruhe aus ist man in gut einer halben Stunde da, und trotzdem fühlt sich der Abend an wie eine kleine Reise.
Zum späten Lunch war ich im Rizzi, im Palais Gagarin, mitten im Park der Lichtentaler Allee. Wenn ich in Baden-Baden bin, esse ich dort seit Jahren dasselbe, und es ist immer noch das Beste, was ich kenne: das Rinderfilet. Ich habe mich oft gefragt, ob man einem Gericht treu sein darf. Hier ja. Gegen zwei Uhr ist die schönste Zeit zum Essen, die Tische leeren sich, das Personal hat Muße, und das Licht fällt schräg durch die Bäume. Ich bin lange sitzen geblieben und habe nichts getan, außer zu schmecken. Wer sein Mittagessen hetzt, hetzt meist auch alles andere.
Danach ab ins Roomers in der Lange Straße. Der Eingang besteht aus zwei riesigen Kirchenportalen, und man geht hinein, als hätte man einen Termin, den es gar nicht gibt. Einen klassischen Rezeptionstresen sucht man vergeblich, stattdessen Tische, an denen man ankommt, als säße man bei Bekannten. Oben auf dem Dach liegt die Bar mit dem Pool, abends beleuchtet, dahinter die Dächer der Stadt und der Schwarzwald als dunkle Kante. Dort sitzt man gut. Man wird nicht gemustert, man wird bedient, und diesen Unterschied schätze ich sehr.
Danach bin ich zum Kurhaus gelaufen, durch den Kurgarten, in dem es abends erstaunlich still ist. Ins Casino wollte ich unbedingt, ausdrücklich nicht zum Spielen. Ich halte nichts von Glücksspiel, erst recht nicht, wenn es nur zum Spaß sein soll. Wer Geld verbrennen will, findet schnellere Wege. Die Räume dagegen sind einen Besuch wert: im Stil französischer Königsschlösser, schwere Kronleuchter, Teppiche, die jedes Geräusch schlucken. Marlene Dietrich soll es das schönste Casino der Welt genannt haben, und ich verstehe, warum.
Ich habe einen Drink bestellt und den anderen beim Spielen zugesehen. Ein Herr fragte mich, ob ich meinem Glück nicht auch eine Chance geben wolle. Ich habe gelächelt und gesagt, mein Glück sei heute Abend das Glas in meiner Hand. Er hat es mit Humor genommen. In Baden-Baden kann man sehr gut Nein sagen, ohne dass jemand die Stimmung verliert.
Warum ich das aufschreibe: Ein guter Abend ist für mich keine Frage des Einsatzes. Er braucht Zeit, einen schönen Ort und die Freiheit, sich nicht hetzen zu lassen. Deshalb beginnt bei PURE jede Begegnung mit mindestens zwei Stunden. Wer Baden-Baden mag, versteht, wie ich das meine. Wer einen Abend dort plant, findet hier Baden-Baden. Und wer es lieber großstädtischer mag: Meine Lieblingsorte in Stuttgart stehen in den Hotelbars in Stuttgart.
Discreetly yours,
Lena
